Studien und Publikationen von trendquest.
Studien und Publikationen (Auswahl)
Vorträge, Konferenzen und Workshops(Auswahl)
Referenzen(Auswahl)
Auswahl von trendquest erstellter Studien
Gruppen- und Sharing-Phänomene, Gemeinschaft und Abgrenzung prägen unsere Zukunft im 21. Jahrhundert.
Einfluss eines Megatrends auf Leben, Beruf, Konsumverhalten, Wirtschaft und Politik im 21. Jahrhundert. Studie, Präsentationsmaterialien, Einzelfallstudien; 2009
Infrastruktur 2010-2020 – Analysen und Prognosen zu diesem systemrelevanten Zukunftsfaktor
Deutschland, EU und USA ökonomisch-politisch-geographisch im Vergleich.
Studie, Beobachtungen, Prognosen, Handlungsempfehlungen; 2010
Werte, Konservativität, Heimat, Ethik - Metatrend Neue Klassik
Zurück zu alten klassischen Werten. Retro-Lifestyle als Kulturphänomen?
Umfangreiche Studie (Q4/2004); zudem Einzelstudien zu Auswirkungen auf Wirtschaft, einzelne Branchen und Lebensbereiche (Auszüge für Kunden,u.a. OTTO Group), in Folge zu diesen Einzelstudien seit 2005 laufende Evaluierungen und Cases.
Globale Krise und globaler Wandel
Visualisierung der globalen Entwicklung der kommenden Jahre als Studie und Trendmap. Trends, handlungsrelevante Hinweise, Hintergründe und Zukunfts-Szenarios, umfangreiche Quellen und weiterführendes Material. Visuelle Studie, seit Ersterscheinen (2008) 2-bis 3-mal jährlich in jeweils aktualisierter Fassung.
Weitere Details gern auf Anfrage.

trendquest hat bereits im Jahr 2004 eine prognostische Studie zum global wirkenden Metatrend Neue Klassik erstellt, unter fachlicher Leitung von Walter M. Kunze, CEO trendquest.
Sie zeigt, wie sich dieser Trend "zurück zu klassischen Werten" bereits heute auf Design, Mode, Produktgestaltung sowie den kulturellen Bereich auswirkt. Der Trend wird sich in Zukunft weiter fortsetzen.


Adels-Romantik, Idole, Tradition, Sicherheit - Symbole der Neuen Klassik auch in der "Hochzeit des Jahres" von Prince William & Kate Middleton in England: Von trendquest 2004 prognostiziert zeigt der Metatrend Neue Klassik breite Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Bsp: Königliche Hochzeit in Großbritannien, 30. April 2011: Adel und Monarchie-Symbolik als romantisiertes Vorbild und Ideal in einer unishcerer erscheinenden globalen Welt.
Die Studie weist auf die Auswirkungen der Neuen Klassik hin: auf das Verhalten der Konsumenten, die von ihnen bevorzugten Produkte sowie kulturelle und soziale Aspekte.
Wichtige praxisrelevante Effekte des Metatrends auf Wirtschaft und internationale Märkte bis hin zur Auswirkung auf politische Strategien werden ebenfalls beschrieben.
trendquest erwartet Auswirkungen dieses Metatrends noch bis in die Jahre 2020-2025. Wir beobachten diese Entwicklung, benennen und verifizieren aktuelle sowie heute noch unbekannte von diesem Metatrend hervorgerufene oder beeinflusste Einzeltrends.
Kernaussage: „Zurück zu klassischen Werten – getrieben vom starken Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit, Orientierung und Stabilität. Sozialer Zusammenhalt und Abgrenzung.“
Metatrend: langfristig, 1 Generation/25 Jahre, wirkende vielfältige Hintergrundströmung.
Erfolgreiche Anwender und Nutzer der Studie: u.a. OTTO Group, Audi AG, BBDO/Proximity, ...
Umfang: Gesamtübersicht, Langrfistige prognosen sowie kurzfristige Teil-Trend-Prognosen. Einzelstudien zu Auswirkungen auf Wirtschaft, einzelne Branchen und Lebensbereiche. In Folge zu diesen Einzelstudien seit 2005 laufende Evaluierungen und Einzel-Cases.
Hier können Sie die Studie bestellen.
Übersicht: Ethik und soziale Werte; Authentizität in Alltag, Konsum und Marketing; Retrotrends Stilzitate 1880-Ende 40er (z.B. Interior Design, Fashion, Produkte, Krone, Wappen, Hirschgeweih, Monarchie/Adel-Revival), Gruppenphänomene („Wir“ statt „ich“) und Abgrenzung (z.B. Crowd Sourcing, Einflüsse auf Politik & Militarisierung, Ethnien), Lokal-/Regional-Trends (Freizeit, Urlaub in Deutschland oder dem näheren Europa, dt. Küche, volkstümliche Modezitate), Familienwerte, Landhausstil und „Heimat“ … sowie viele Einzeltrends mehr.
Business Intelligence: Sämtliche Prognosen für beinhaltete Teiltrends und Mikrotrends benennen teils auch individuelle Marken oder Unternehmen, speziell bei den mittel- bis kurzfristigen Prognoseaspekten. Dargestelllt werden ebenfalls Potentiale und Markt-Chancen von Marken und Unternehmen, Marketing-Methoden und Wandel bei Zielgruppen-Präferenzen.
Einen Auszug aus der Studie "Neue Klassik Metatrend – ein langfristig und global wirkender Metatrend mit Einflüssen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Politik" senden wir Ihnen gerne auf Anfrage zu.
Dossiers zu Veranstaltungen, Workshops und Seminaren.
Hier finden Sie auch die Dossiers zu den jeweiligen Veranstaltungen der Reihen trendnight und ZukunftsFrühstück.
Dossiers und Nachberichte zu den vergangenen trendnights.
Die trendnight! ist eine spannende AfterWork-Veranstaltung von trendquest.
Thema sind jeweils topaktuelle Trends des Zeitgeschehens mit hoher Zukunftsrelevanz für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik:
Zur trendnight laden wir 3-5 ausgewählte Fachsprecher, diese bieten in sehr kurzen kontroversen Statements die Anregung für eine knackige, moderierte Diskussion. Nach einer spannenden Trend-Stunde leiten wir über zum AfterWork-Abend für gute Gespräche und entspanntes Netzwerken mit Partnern, Kollegen und Freunden.
Den kulinarisch-wertigen AfterWork-Rahmen bildet ein leckeres Flying Snackbuffet in FairTrade- und/oder Bio-Qualität. Dazu reichen wir Afterwork-Drinks - Prosecco oder Sekt, Bier, Wein, Wasser - ebenfalls jeweils in FairTrade und/oder Bio-Qualität!
Die Atmosphäre wird musikalisch abgerundet vom trendnight-DJ mit live aufgelegter und gemixter Musik.
Dossierinhalt:
Thema, Video-Mitschnitt, Sprecherbeiträge, Bildergalerie, Workshop.

Dossier: Thema: Sharing statt Krise

Von Deutschland bis Europa, von Griechenland bis Occupy Wall Street: Die Dinge dynamisieren sich. Nicht jeder Zusammenhang und nicht jede politische Entscheidung scheint verständlich. Viele Menschen haben gerade den Eindruck "Die Welt dreht sich schneller, als sich begreifen lässt". Wir beobachten diese Entwicklungen aufmerksam.
Gemeinsames Handeln ist besser als Alleingänge oder passive Akzeptanz. So etablieren die ersten Trendsetter bereits neue Wege: Die Wirkungen sind weit reichend - von "Sharing-Trends" in der Wirtschaft bis zu politischen Gruppendynamiken wie z.B. "Occupy Wall Street".
Wie sind die Auswirkungen, Risiken und Potentiale für unsere Wirtschaft und Gesellschaft?
Dafür die trendnight!
09.11.2011
19:00 Uhr
Werkstatt-Galerie Kappich & Piel,
Schanzenhöfe, Lagerstr. 34 A, 20357 Hamburg
Anfahrt: http://g.co/maps/jz2dm
direkt hinter S-/U-Bahnhof Sternschanze
Teilnahme inklusive Snackbuffet und Welcome-Drinks
Teilnahme durch Anmeldung. Beitrag zahlbar vorab mit Rechnung oder an der Abendkasse (s.u.).
Sie diskutieren gerne mit anderen Fachleuten und Teilnehmern über aktuelle Themen und sind daran interessiert, Neues zu erfahren und sich darüber auszutauschen? Hier geht es um Trends und Innovations-Treiber in Wirtschaft und Gesellschaft, um Umsetzung und pragmatische Lösungen und spannende Gespräche.
Seien Sie dabei. Genießen Sie Ihren wohlverdienten Feierabend in gemütlicher Runde auf der trendnight! Erleben Sie diese Zeit starker globaler Veränderungen hautnah und direkt.
In Afterwork-Club-Atmosphäre werden wir gemeinsam mit Ihnen und Fachleuten und Referenten die aktuellen Trends und Themen erörtern, die für Sie, Ihr Unternehmen und unsere Gesellschaft von Relevanz sind. Genießen Sie den Abend bei guter Netzwerk-Runde mit Snacks und Getränken.
Die Location: Die Werkstatt-Galerie Kappich & Piel im historischen Hamburger Schlachthofviertel bietet den angemessenen guten kulturellen Rahmen.
Was bringt die trendnight in Zukunft? Zu den weiteren trendnights sendet trendquest vorab für Sie per twitter seinen trendknight (@trendknight) aus, um Themenpunkte zu sammeln, die Ihnen aktuell am Herzen liegen. Hieraus generieren wir den jeweils aktuellen Themen-Fokus der trendnight.
Trends werden von Menschen gemacht - wirken Sie mit.
trendnight 09.11.2011
Eröffnung, Anmoderation und Trend-Hinweis durch Walter Matthias Kunze, CEO trendquest.
trendquest-YouTube-Kanal: www.youtube.com/user/TheTrendquest
Walter Matthias Kunze
Gründer & CEO trendquest:
Eröffnung, Moderation und kurzer Trend-Überblick
Christian Pape
Fachautor („Die Grenzen des deutschen Wirtschaftswachstums ...")
„Alle für einen, einer für alle“
www.christianpape.de
Stephan Böttger
Senior Manager Europe
nordeurop. Bankhaus
„Financial/Banking inside - Innovation und Status Quo
Technologische Transparenz als Forderung für die Zukunft"
Knut Reichold
Zertifiz. Finanzökonom MA,
Reichold KG
„Warum spielen die Banken das Spiel?
Weil sie damit durchkommen.“
www.reicholdkg.de
Sascha *
aktives Mitglied von Occupy Hamburg
„Meine Bewegründe für mein Engagement bei Occupy.
Was wir alle tun können gegen die Finanzkrise"
www.occupyhamburg.org
Mathias Weitbrecht
Gründer Integral Information Architecture
Visualisierung von Entwicklungen; Beratung
„Systemische bis integrale Sichtweise"
www.integralinformationarchitecture.com
Unter dem Motto „Alle für einen, einer für alle“ hielt Christian Pape im Rahmen der trendnight von Trendquest am 9.11.2011 einen Kurzvortrag über die Handlungsoptionen in der Eurokrise.
Christian Pape
Autor des Buches: „Die Grenzen des deutschen Wirtschaftswachstums – Welche Veränderungen legt die Soziale Marktwirtschaft nahe?“
www.christianpape.de
Die gesamtschuldnerische Haftung für die Staatsschulden der Eurostaaten muss auf die Übernahme der bereits bestehenden Staatsschulden begrenzt werden. Alle Eurostaaten müssen den gleichen Prozentsatz ihres Sozialproduktes für den gemeinsamen Schuldendienst beisteuern. Die Höhe des Schuldendienstes eines Staates ist damit unabhängig davon, wer die Schulden einmal aufgenommen hat.
Nur diese Variante ermöglicht es den Krisenstaaten in ihrem Anpassungsprozess auch einen Abschwung zu ertragen, ohne durch die Schuldenlast erdrückt zu werden. Und eben diesen Abschwung muss sich ein Staat in der Eurozone erlauben können, wenn die einzigen verbliebenen Anpassungsmechanismen innerhalb der Währungsunion (neben einer effizienten Staatsorganisation) die Senkung der Lohnhöhe und die Abwanderung der Produktionsfaktoren sind.
Die Einführung der gesamtschuldnerischen Haftung ist ein Offenbarungseid des gesamten Euro-Regelwerkes. Dementsprechend müssen sich die Eurostaaten vor der Umsetzung dieses Schrittes, ein Regelwerk für die Zeit danach geben. Denn nach diesem Schritt wird wieder der Handlungsdruck fehlen, wirklich unangenehme Regeln zu vereinbaren. Und ohne die, wird sich diese Krise bald wiederholen.
Damit macht der vorgestellte Lösungsansatz das Sharing der Lasten zur Voraussetzung zur Beendigung der Krise und bestätigt damit die zentrale Aussage des Veranstalters Trendquest „Sharing - statt Krise. Zukunft beginnt heute“.
Im folgenden erklärt Christian Pape ausführlicher, warum wir entsprechend des kleinen Einmaleins des Marktes in der Eurokrise umsteuern müssen.
Es ist wohl spätestens seit der Pleite der Lehmann Brothers unbestritten, dass wir eine Bankenkrise haben. Es ist wohl auch unbestritten, dass heute, auch in Folge der Bankenkrise, eine ganze Reihe von Staaten in einer Schuldenkrise stecken. Finanzminister Wolfgang Schäuble erwartet gar für Griechenland, dass es ein Jahrzehnt für die Erlangung der Wettbewerbsfähigkeit brauchen wird. 10 Jahre sind eine lange Zeit im Erwerbsleben eines Menschen. Wenn wir das in Kauf nehmen wollen, wird man dies später als das verlorene Jahrzehnt für Europa bezeichnen.
Aber müssen wir das? Nein, denn wir stehen eigentlich relativ gut dar. Der Euroraum hat eine geringere Staatsverschuldungsquote als die USA und eine weit geringere als Japan. Und im Vergleich zu den USA hat der Euroraum den Vorteil einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Nur ist auch der Euroraum direkt an der Grenze von 90% Staatsverschuldung, die Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff als die Grenze einschätzen, ab dem die Staatsschulden das Wachstum lähmen. Dazu passt auch, dass Jürgen Stark Staaten nachhaltig zutraut, Primärüberschüsse von 5-6% der Wirtschaftskraft zu erzielen. Aus diesem Primärüberschuss ergibt sich bei zunehmender Staatsverschuldung ebenfalls eine Grenze, ab der ein destabilisierender Regelungsprozess droht.
Steigt die Staatsverschuldung, steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit und in Folge dessen der Risikoaufschlag und damit der zu zahlende Zins. Hat der Staat seine eigene Währung, hilft ihm in diesem Regelungsprozess die Abwertung seiner Währung. Sie führt zu einer realen Abwertung seiner Schulden und zugleich zu einer Aufwertung seiner Wettbewerbsfähigkeit. So hat der Staat die Möglichkeit die Überschuldung zu vermeiden und in einen stabilisierenden Regelungsprozess einzutreten.
Ganz anders ist dies bei einem Staat innerhalb der Eurozone. Er hat nicht die Chance seine Währung und damit real seine Schulden abzuwerten. Mittelfristig kann er seine Wettbewerbsfähigkeit durch einen effizienteren Regelrahmen optimieren. Der wesentliche Schlüssel zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit liegt aber in der Senkung der Arbeitskosten, die jedoch auf Widerstand in der Bevölkerung stößt. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass der zeitlich verzögerte Regelungsprozess zunächst zu einem Rückgang des Sozialproduktes und in Folge dessen zu einer weiteren Erhöhung der Staatsschuldenquote führt. Dieser Regelungsprozess kann sich schnell als destabilisierend erweisen und zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Dieser Prozess wird durch den Wegzug von Arbeitskräften, die für die effiziente Funktion eines Währungsraumes erforderlich ist, aber noch weiter verstärkt. Denn sie lassen ihren Staatsschuldenanteil zurück und nehmen ihre Wirtschaftskraft mit. In dieser Situation befindet sich Griechenland. Seine Lasten nehmen ihm den Spielraum, den es bräuchte, um seine Reformen voran zu treiben, um wieder seinen Verpflichtungen gerecht zu werden.
Da Griechenland aber nicht der einzige Krisenstaat im Euroraum ist und da im Vorfeld auch kein Regelrahmen für eine Staatsinsolvenz innerhalb des Euroraums aufgestellt wurde, die der notwendige Begleiter der No-Bail-Out Klausel hätte sein müssen, ist das Problem heute über den Finanzmarkt, seine Institutionen und seine Kreisläufe fest mit ganz Europa verwebt. Es fehlt die Zuordnung zu konkreten Haftungspuffern, die in letzter Instanz nur Privatpersonen mit ihren Privatvermögen oder isoliertes Vermögen, wie das Stiftungsvermögen, sein können, zu Lasten derer man die Schäden aus den eingegangenen Risiken wirklich aus der Welt schaffen könnte.
Eine Insolvenz und die daraus resultierenden Zahlungsausfälle und Dominoeffekte gefährden die europäische Wirtschaft. Beatrice Weder di Mauro mahnt sehr nachhaltig davor, diese Gefahren zu unterschätzen. Wer sie reden hört, erkennt schnell, dass dieser komplexen Haftungsproblematik nicht auf die schnelle entsprochen werden kann. So beträgt zum Beispiel die Aktivseite des Vermögenstatus Deutschlands gegenüber dem Ausland mit rund 6,2 Billionen Euro das 2,5 fache des jährlichen Bruttoinlandsproduktes.
Zumal in diesem Zusammenhang auch noch eine andere Frage sehr interessant ist. Wann ist ein Staat insolvent? Vor allem, wenn man nicht nur die Rechtseinheit Staat, betrachtet, sondern auch seine Bürger, die er repräsentiert. Ist der Staat eher eine AG mit beschränkter Haftung oder eher eine Personengesellschaft, bei der alle Eigner mit ihrem Privatvermögen für das Unternehmen Staat einstehen müssen?
Hat der Staat eine eigene Währung, löst er seine Überschuldung zur Not durch Steuern und Inflation. Damit entspricht der Staat dann eher einer Personengesellschaft bei der seine Gesellschaft für ihn haftet. Davon sind wir in er aktuellen Diskussion weit entfernt. Griechenland wird eher als insolvent angesehen, weil sich seine Bürger weigern oder sich die Politiker nicht trauen, die Bürger zugunsten des Staatshaushaltes und seiner Verschuldung zu enteignen.
Wie gefährlich diese Situation für ganz Europa ist, lässt sich schnell erahnen, wenn man auf die in den großen Wirtschaftstheorien unterstellten Reaktionen der Wirtschaftssubjekte auf ihre Erwartungsbildung zurück greift. Keynes unterstellte den Individuen, dass sie sich auf eine rosige Aussicht einstellen und investieren würden, wenn der Staat finanziert durch Staatsverschuldung ein Wertschöpfungsstrohfeuer entfachen würde, da sie die spätere Steuererhöhung zur Refinanzierung der Schulden ignorieren würden. Spätestens heute dürfte man kaum noch jemanden finden, der sich der Überschuldung der Staaten nicht bewusst ist und sich durch so ein Strohfeuer täuschen lassen würde.
So würde eher die liberale Annahme zutreffen, dass die Individuen die Schuldenmacherei durchblicken und höhere Steuern in der Zukunft mit in ihre Planung mit einbeziehen würden. Konjunkturprogramme würden folglich heute verpuffen. Noch schlimmer, die ungelöste Schuldenkrise und die daraus resultierende Unsicherheit wird die Wirtschaftssubjekte daran hindern, eine optimistische Zukunft zu planen. Diese Zurückhaltung unterstützte den Absturz der Wirtschaft nach der Pleite der Lehmann Brothers.
Aber auch die Überlegung von Marx, dass ein jeder sein bestes für die Gesellschaft geben wird, weil er glaubt, dass die anderen Mitglieder der Gesellschaft ebenso verfahren würden, würde in dieser Krise der Gemeinschaft kaum verfangen. Schließlich haben die Eurostaaten diesen Kredit bereits verspielt, indem sie egoistisch die Rosinen pickten und sich damit mehr oder weniger mit an dieser Krise schuldig gemacht haben.
Folglich gibt es heute nur einen Ausweg – die Krise muss glaubhaft und nachhaltig gelöst werden, um der Wirtschaft ihre planbare Perspektive zurück zu geben. Und dafür müsste die Frage nach der Schuld und die damit verbundene Haftungszuweisung zunächst zurück stehen.
Die Politiker möchten den Märkten verkaufen, dass der Rettungsmechanismus in seiner überarbeiteten Variante diese Forderung, dass er glaubhaft und nachhaltig die Krise beseitigen kann, erfüllt. Dabei kann er dies ganz offensichtlich nicht.
Vor diesem Hintergrund muss die Eurogemeinschaft hier den Schulterschluss üben und diese Krise durch gemeinsame Stärke beenden. Sie muss alle Staatsschulden der Eurostaaten zu Schulden der Gemeinschaft erklären, für die alle ohne Beschränkung auf ihren Anteil haften.
Das wird für alle beteiligten und vor allem Deutschland billiger werden, als eine Fülle von Rettungsaktionen für Staaten und Finanzunternehmen, die sonst nahezu zwangsläufig folgen wird. So überragen schon allein die Garantien im Rahmen der Rettungsmechanismen die Differenz zwischen der deutschen und der durchschnittlichen Staatsschuldenquote der Eurostaaten. Und die Garantien werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Zahlungsverpflichtungen werden, wenn sich die Eurostaaten dem vollständigen Schulterschluss verweigern.
Ein solcher Schulterschluss wäre ein unübersehbares Signal der Stärke und würde zudem Vertrauen bringen. Von diesem Kapital würde der Euro wahrscheinlich über Jahrzehnte profitieren. So baute die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft ihre Vertrauensbasis auf, von der sie Jahrzehnte profitieren konnte, als sie in einer schweren Krise mit vollen Händen Schäden beglich, als es sich alle anderen längst nicht mehr leisten konnten.
Es gibt aber auch sehr gewichtige Gründe, warum die Politik die Schulden der einzelnen Staaten nicht zu Gemeinschaftsschulden erklären möchte. Neben dem Umstand, dass es den Bürgern schwer zu vermitteln ist, liegt die Antwort darauf in der moralischen Versuchung (Moral Hazard). Moral Hazard ist aber ein Thema der Zukunft, denn Vergangenheit ist vergangen und das Getane kann nicht mehr verändert werden.
Moral Hazard betrifft in diesem Zusammenhang fast alle Teilnehmer in diesem Markt. Die Investoren könnten dadurch, dass sie nicht in die Haftung genommen werden, falsche Anreize für die Zukunft erhalten. Die Staaten könnten verleitet sein, zu Lasten der Staatengemeinschaft Vorteile zu erlangen. Die Wähler könnten geneigt sein, jene Politiker zu wählen, die dies forcieren.
Vor diesem Hintergrund empfehle ich folgendes Handlungspaket zur unmittelbaren Rettung des Euroraumes:
Abschließend sei noch einmal betont, dass die Lösung der Euro- und Verschuldungskrise nicht die Eurostaaten von der Notwendigkeit befreit, ihre Volkswirtschaften zurück in die Konkurrenzfähigkeit zu führen. Aufgrund des erheblichen Rückgangs der Belastungen infolge dieses Rettungspakets werden sie wieder den dafür nötigen Spielraum gewinnen. Aber es wird trotzdem beschwerlich.
Deutschland hat so eine Anpassung mit Lohnverzicht schon hinter sich. Das bedeutet aber nicht, dass Deutschland keine Hausaufgaben mehr zu erledigen hätte. In meinen Augen sind diese zu bewältigenden Hausaufgaben schon in Deutschland nicht geringer als die Herausforderung einzuschätzen, der wir uns jetzt im Euroraum gegenüber sehen.
Jene, die an diesem Punkt erwarten, dass die Zinskosten für den Altlastentilgungsfond zunehmen werden, bitte ich zu berücksichtigen, dass zum Beispiel Japan ebenfalls sehr geringe Zinsen aufweist und dabei wesentliche Eigenschaften, wie eine gesunde Handelsbilanz, einen hohen Anteil der Schuldner im Inland, eine eigne Währung, aber auch ein paar strukturelle Probleme mit der Eurozone teilt.
Aber auch für Deutschland sollte schon in den Zinsen eine Verschuldung eingepreist sein, die die Übernahme des Risikos im Rahmen des Rettungsschirms und deren sehr wahrscheinliche Realisierung berücksichtigt. Zumal Deutschland selbst auch den Gefahren ausgeliefert ist, die aus der fehlenden eigenen Währung resultieren.
Vor diesem Hintergrund dürfte nicht mit einem erheblichen Zinsanstieg zu rechnen sein. Im Vergleich zu den Zinsen, die die einzelnen Eurostaaten zu zahlen haben, wird es aufgrund des Wegfalls einer Reihe von Risiken im Durchschnitt einen erheblichen Rückgang geben.
Ich habe in diesem Beitrag explizit nur die Variante unter Beibehaltung des Euroraumes besprochen. Viele der aufgeführten Argumente sprechen für separate Währungen. Die überhastete Auflösung einer Währungsunion im Rahmen einer Überschuldungssituation, die von schweren wirtschaftlichen Ungleichgewichten geprägt ist, dürfte aufgrund der dadurch entfesselten Marktdynamik insbesondere vor dem Hintergrund der Aussagen von Frau Weder die Mauro nicht zu unterschätzende Risiken für alle Beteiligten mit sich bringen, die die Leistungsfähigkeit aller Beteiligten überfordern könnten.
Vortragsdaten von Knut Reichold anlässlich seines Vortrags auf der trendnight am 09.11.2011.
Vortragsdatei: Sharing statt Krise.pdf
Flipchart:
Aufgrund der großen Resonanz planen wir einen Workshop zum Thema, gemeinsam mit den Sprechern der trendnight vom 09.11.2011.
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