Posterous & Co. - Social Media und Privatsphäre

"off the record"-Blogautor Olaf Kolbrück schreibt begeistert "Posterous - Die bequeme mediale Wollmilchsau".


Zitat Olaf Kolbrück: "Der “Digital Native” twittert, bloggt, friendfeeded, facebooked und fragt sich zurecht, wie denn ein Dienst aussehen könnte, der ihn neu begeistert. Vielleicht, wenn er etwas darüber hinaus bietet. Vielleicht sogar, wenn er irgendwie genau zwischen Blog, Microblogging und Community liegt, ...(wenn) der Dienst ... (das) auf eine charmante und einfache Art(vereinigt)."

Prima. Posterous sagt: "Autopost to everywhere - Just set up your other accounts here. The next time you post to posterous, we will instantly autopost everywhere else. "
"Einstiegshürden (...) auf Null. (...) Einfach eine Mail an den Dienst schicken – fertig. "

Texte, Fotos, MP3-Files, Dokumente, Videos - Sogar für private Sites. Und natürlich für Facebook, Twitter, Flickr, Tumblr, Blogger, Wordpress, etc.

Klingt ja alles sehr schön und gut mit Posterous.

Aber ist das Ganze nicht doch etwas seltsam? Und nur weil's online und "Social Media" ist, denkt da irgendwie keiner dran?

Ich stelle mir vor, da spricht mich ein wildfremder Mensch auf der Straße an: Er möchte mein persönlicher Hiwi, mein Assi, Bote und Sekretär sein. Einfach so, und umsonst. Und der schlägt mir vor, dass ich ihm eine Auswahl meiner Schlüssel gebe - am Besten sogar alle Schlüssel (denn er erweitert seinen Service laufend weiter).

Dafür braucht er meine Schlüssel: Für meine Wohnung, meinen Briefkasten, mein Handy, mein Auto und mein Büro sowie auch gleich mein Tagebuch und sonstwofür - ich soll ihm einen Zweitschlüssel (-Zugang) geben, damit er sich dann immer stets um Infos für mich kümmern kann - direkt aus meiner Wohnung, meinem Briefkasten, meinem Haus und von meiner Anrufbeantwortermailbox beispielsweise.

Er sammelt einfach für mich News und Info aus persönlichen oder beruflichen Briefen, Zeitungsabos, Nachbarschaftsklatsch, etc. Und er legt mir die Zeitung und ggf. offene Post sogar stets dahin, wo ich sie haben will, ins Café, Auto oder auf den Büroplatz, etc. ...

Toller Service! Das ganz besonders Tolle daran ist: Der mir bis dahin völlig Unbekannte will noch nicht mal Geld dafür! Cool - obwohl er Zeit, Geld und Infrastruktur in die Betreuung meiner persönlichen bis beruflichen News und Kommunikation steckt. Er sagt: "Irgendwann später biete ich dir auch Dienste an, die dann ein bisschen etwas kosten - aber erstmal (fürs erste Jahr?) mach ich das gern einfach so für dich. Weil ich so nett bin - auch wenn du mich ja noch nicht kennst. Aber ich bin so ..." Und guckt nett.

Aber kommt Ihnen das Ganze nicht etwas seltsam vor?
Nur weil es eben nicht der unbekannte Vertreter von der Straße ist, sondern eine hübsch aussehende Website, geben wir Menschen plötzlich alles an Kommunikationsdaten frei und lassen diese über ein einziges Unternehmen laufen...

Wäre Ihnen das nicht etwas zu offen? - oder vermögen Sie in Ihren Aktivitäten in Communities und anderen Social-Media-Aktivitäten rigoros Privatsphäre und öffentliche Einträge und Kommunikation zu trennen?

Wir erleben einen intensiven Wandel in sozialen Werten und ethischen Ansprüchen - und wir gestalten aktiv unsere Zukunft. Wie darf dieser Wandel Privatsphäre und offene Kommunikation beeinflussen?

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